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ArtiFACTion

ArtiFACTion ist ein experimentelles Konzeptformat, das sich mit Wahrnehmungs- und Konzentrationsräumen beschäftigt.

Aufmerksamkeit und Abneigung sind als das elementarste Kommunikationsmittel seit Anbeginn der Menschwerdung ein Motor für die Entwicklung des menschlichen Verstandes und Fortschritts.

In dem digitalen Zeitalter ist diese Kommunikation auf bloße Clickbaits reduziert. Dennoch gilt: Die Aufmerksamkeit und Abneigung eines Menschen sind entgegen aller anderen menschlichen Produkte im Sinne des Ökonomiebegriffs nicht reproduzierbar.  Die Einzigartigkeit macht sie zu einer perfekten Währung der digitalen Welt.

Das Format ArtiFACTion setzt sich künstlerisch-inhaltlich mit den Begrifflichkeiten auseinander und zeigt Schnittmengen auf, die scheinbar unendliche Aggregatzustände von Aktionen und Reaktionen möglich machen.

Seit 2017 beschäftigt sich die klassisch ausgebildete Mezzosopranistin Juliane Harberg bei der Konzeption und Umsetzung von PopUp-Konzerten, klassischen Konzertsituationen und Performance-Kunst mit folgenden Themenkomplexen: Kunst im digitalen Raum; Entstehung eines Kunstwerkes; Kunstrezeption und Aufmerksamkeitsökonomie der sozialen Medien.

Im Zentrum steht dabei die Musik unserer Zeit und ihr Gegenpol in anderen Kunstformen (u.a. Literatur, bildende Kunst). Ziel ist es dualistische Schaffensprozesse und Synergieeffekte anzuregen, die nicht allein auf den Kunstausübenden reduziert sind.

Projekte

ArtiFACTion 2021 | Sehnsucht nach KONG – ein 60-minütigen Melodrama für Solo-Stimme in 7 Teilen – in Vorbereitung –

ArtiFACTion 2020 | Berio Sequenza III als performatives Werk

ArtiFACTion 2019 | No! Performance und Videoinstallation nach de Staël

Orte / Spielstätten

Weitere Audio- und Videoimpressionen von vergangenen Veranstaltungen finden Sie hier.


Vergangene Projekte

ArtiFACTion 2020 | Berio Sequenza III als performatives Werk

Werk für Solo-Stimme von Luciano Berio (aus 1965)

Konzeption | Juliane Harberg

Besetzung:

Sängerin | Juliane Harberg (Mezzosopran)

Zum Inhalt:

The voice carries always an excess of connotations, whatever it is doing. From the grossest of noises to the most delicate of singing, the voice always means something, always refers beyond itself and creates a huge range of associations. In Sequenza III I tried to assimilate many aspects of everyday vocal life, including trivial ones, without losing intermediate levels or indeed normal singing. In order to control such a wide range of vocal behaviour, I felt I had to break up the text in an apparently devastating way, so as to be able to recuperate fragments from it on different expressive planes, and to reshape them into units that were not discursive but musical. The text had to be homogeneous, in order to lend itself to a project that consisted essentially of exorcising the excessive connotations and composing them into musical units. This is the “modular” text written by Markus Kutter for Sequenza III.

Give me a few words for a woman

to sing a truth allowing us

to build a house without worrying before night comes

Aus Sequenza III Text: Markus Kutter

In Sequenza III the emphasis is given to the sound symbolism of vocal and sometimes visual gestures, with their accompanying “shadows of meaning”, and the associations and conflicts suggested by them. For this reason Sequenza III can also be considered as a dramatic essay whose story, so to speak, is the relationship between the soloist and her own voice
Sequenza III was written in 1965 for Cathy Berberian.

(Luciano Berio)

Zur Aufführung:

Als Meisterwerk der Moderne gehört Luciano Berios Sequenza III in das Standardrepertoire eines klassischen Sängers. Die Entdeckung der eigenen musikalischen, interpretatorischen und technischen Fähigkeiten werden hier ins Äußerste ausgereizt und erlauben eine stetige Revision der letzten erarbeiteten Fassung. Das Werk symbolisiert den unendlichen Forschungscharakter der eigenen Musikerpersönlichkeit, der erst mit dem Tod zu enden scheint. Juliane Harberg erfasst dies, indem die Sänger das Werk auswendig vorträgt und von einem darstellerischen Ansatz ausgeht, der die Stimme durch Bewegung in Klang versetzt. Durch sparsame Gesten wird ein breiter Spannungsbogen erhalten, der mit „to sing“ verstummt.

Premiere: 01.08.2020 Neue Musik im Fläming

Technische Voraussetzungen:

  • keine
  • Projektion auf eine Leinwand wünschenswert

ArtiFACTion 2019 | No! Performance und Videoinstallation nach de Staël

Nicolas de Staël La Montagne Sainte-Victoire (Paysage de Sicile) 1954

Werke für Solo-Stimme von Aribert Reimann

Videoinstallation nach Nicolas de Staël La Montagne Sainte-Victoire (Paysage de Sicile) 1954

Regie, Konzeption | Juliane Harberg

Besetzung:

Ich, die Museumsbesucherin | Juliane Harberg (Mezzosopran)

Die Anderen, MuseumsbesucherINNEN | mehrere Co-Performer als Impro-Spielrollen (Publikum)

Zum Inhalt:

Die Füße sind schon sehr schwer vom Laufen durch die weiten Hallen des Museumsgebäudes – Schritt für Schritt arbeite ich mich weiter von Bild zu Bild: Ein Blick auf Smartphone. Sollte ich noch ein paar Nachrichten beantworten? Später schaffe ich es vielleicht nicht – da muss ich noch was Kochen. NO! Platzt es aus mir heraus. Es wird ganz still und ich summe vor mich hin – es ist keine von diesen bekannten Melodien, die sowieso alle gleich klingen, es ist etwas leicht Schiefes, Komisches… Aber es beruhigt mich…

Plötzlich taucht vor meinen Augen ein Feuerwerk von Farben auf. Ich bin schon am Vorbeigehen – eigentlich schon wieder bei einem anderen Bild – gehe dann aber zurück und mein Herz klopft erst schneller, dann wird es ruhig. Es ist, als ob alles um mich herum stehen bleibt. „Tell me!“ Trotz der knalligen Farbblöcke auf dem Bild, spüre ich, wie sich von fernem ein Gewitter naht, Regen auf die Bäume herunterprasselt und das Bild verblassen lässt. Rund um nun lauter Small-Talk, jemand pfeift ein Kind zurück und ich versuche mich ganz einzulassen auf dieses Bild La Montagne Sainte-Victoire.

Da streift jemand meinen Arm, entschuldigt sich und ich kann nicht anders: NO! Erneute Stille erfüllt den Ausstellungssaal. Nichts ist zu hören. Es ist mir als ob ich Eingedunkelt von einem Bild bin. In meinem Kopf fügen sich Worte und Töne zusammen – schaurig schön

Zur Aufführung:

In dem 30-minütigem StandUp-Format NO! Performance ist die Reizüberflutung durch Alltagsaufgaben und Menschen zentraler Ausgangspunkt, um sich auf ein Kunstwerk einzulassen. Die Figur „Die Museumsbesucherin“ erlebt dabei, wie Sie von dem Bild La Montagne Sainte-Victoire gepackt wird. Durch „die Anderen“, die als Co-Performer im frei improvisierten Spiel agieren, wird ihre Aufmerksamkeit erschüttert und sie fordert Stille für ihre Gedanken ein: NO! Von dem Erlebnis überwältigt, wird sie davon angeregt und es erklingt Aribert Reimanns Eingedunkelt für Solo-Stimme.

Das StandUp-Format erlaubt ein ungezwungenes Spiel zwischen Zuhörenden und Nicht-Zuhörenden, der nicht weiß, dass er in ein musikalisches Happening verwickelt ist. Flyer für mögliche Co-Performer liegen aus. NO! Performance wird bis zu 3-mal wiederholt, so dass das Publikum die Möglichkeit hat sich einzulassen, das Erlebte wieder zu erleben und als Co-Performer zu agieren.

Premiere: 21.06.2019 MdbK Leipzig (1.Fassung)

Technische Voraussetzungen:

  • Videoprojektion oder Bildschirm
  • großer Bluetooth Lautsprecher

forma Leipzig 2015 | TEKTONIK 3

Konzertformat

Werke für Solo-Stimme

Besetzung:

Mezzosopran, Bouzouki | Juliane Harberg

Technische Assistenz | Ermis Theodorakis

Programm:

Giacinto Scelsi | Ckckc Voix Et Mandoline Partition (in einer Fassung für Bouzouki)

Luciano Berio | Sequenza III

Aaron Cassidy | I, purples, spat blood, laugh of beautiful lips für Solo-Stimme und Elektronik Max/MSP

Ermis Theodorakis | melody

aus Aaron Cassidy „I, purples, spat blood, laugh of beautiful lips