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En Dialogue Beiträge

Memo Julius Stockhausen No. 2 | Keine Klassenunterschiede

Die Mutter – eine zentrale Figur, die Julius‘ Kunstsinn und -geschmack prägte. Wie oft habe ich mich gefragt, ob es essentiell ist klassische Musik im Elternhaus zu hören, damit man später eine Karriere darauf aufbauen kann! Natürlich gibt es unzählige Beispiele, die bestätigen, dass Musikereltern auch Musikerkinder hervorbringen. Wie kann es anders sein, wenn man einmal mit dem Elixier infiziert wurde? Eine andere Frage, die damit einhergeht ist, ob klassische Musik nur für elitärere Haushalte zugänglich ist? Auch dafür gibt es in der Gegenwart zahlreiche Beispiele. Es ist eher unwahrscheinlich, dass ein Junge, der auf dem Kölnberg aufwächst, Zugang zum Klassikkanon Bach bis Zemlinsky hat, geschweige denn jemals vom Sänger Julius Stockhausen gehört hat. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Klassische Musik gehört nicht in den Entertainment- und Eventbereich, sondern ist ein Forschungsgebiet, wie jede andere Wissenschaft auch. Grundlage dieser Forschung ist die Bildung, die wir bereits in der Schule vermittelt bekommen, herrschende Meinungen (d.h. Meisterwerke von Komponisten, die als Meilensteine dieser Forschung betrachtet werden). Dennoch braucht man heute natürlich nicht so viel Glück eine Magarete Stockhausen als Mutter zu haben, damit man überhaupt Zugang zu der Welt der klassischen Musik haben kann. Youtube an und schon…kommt die Piano-Sonate…

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Memo Julius Stockhausen No. 1

Im Grunde ist es leicht zu sagen, dass der Zugang zu Bildung und Kultur durch die digitalen Medien vereinfacht wurde. Ich frage mich in den letzten Wochen, inwiefern der Gesangsunterricht über Skype wirklich machbar ist. Das Reisen ist immer noch eingeschränkt – heute hat Großbritannien nun nach langem Zögern die Quarantäneverpflichtung für Einreisende verhängt – und man greift doch gerne auf Skype zurück, um nicht gänzlich die Routine und den Kontakt zu verlieren. Trotzdem ich mich als digital-affin beschreiben würde, habe ich bis heute eine Hemmung, wenn es darum geht den Gesangsunterricht per Videokonferenz ernst zu nehmen. Lieber wende ich mich dann doch dem klassischen Buch zu, um tiefer in die Gesangslehre einzusteigen. Bereits im letzten Jahr habe ich mich vermehrt mit Julius Stockhausen beschäftigt. Seine Mutter war eine große Sängerin, die ihrem Sohn ein tiefgründiges Verständnis über den Aufbau einer jungen Stimme mitgab. Julius entwickelte Ihre Gesangslehre weiter und ist nun für mich eine große Inspirationsquelle. Die letzten Monate waren insofern bereichernd als dass ich mir viel Zeit genommen habe mein Gesangsinstrument zu pflegen, zu intonieren und Konsonanten mit Würde zu singen. Ein paar von Julius‘ Gedanken habe ich aufgegriffen und für mich neu definiert. Diese möchte ich in…

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Die heilige Musik

Das Konzertkarussel beginnt sich langsam wieder zu drehen. Für die namenhaften und große Künstler gibt es so manches kleines Festivalformat, dass nun Aufwind bekommt. Mit im Gepäck die Programme der großen Häuser, die nun für ein 100-köpfiges Publikum darzubieten sind. Dabei beschleicht mich der Gedanke, dass der Kuchen um das große Fressen immer kleiner wird. Das Karussel der Auftrittsmöglichkeiten hat einfach zu viele Mitfahrende und immer geht es in dieselbe Richtung – immer schön im Kreis. Ein vorerst letztes Mal möchte ich an dieser Stelle noch einmal betonen, dass Musik so viel mehr als ihre Auftrittsmöglichkeiten und auch so viel mehr als musikalisches Erbe und Bildung. Das würde ihr nur 10 % gerecht. Wie jede andere Kunstform strebt sie nach dem UNGEHÖRTEM, UNBERÜHRTEM und INNOVATIVEM. Ganz ihrer Natur nach ist sie für mich mehr Wissenschaft, als Soziokultur; mehr Patent, als feinabgestimmtes Allheilmittel; mehr Zukunft, als Rückblick. In diesem Sinne gehe ich in den nächsten Monat mit voller Freude über die Menschen, die den Kern der heiligen Musik bewahren und über die Krisen hinaus ihren Teil dazu beitragen, dass die anderen 90 % einen Raum zur Entfaltung bekommen können. Ein kleiner Ausblick auf mein Highlight des Festivalsommers 2020: Kommt zu Hauf!

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Lagebericht Künstler R=?

Ich schaue traurig auf dieses Diagramm: Allein beim WDR sind mindestens 55 % der Mitarbeiter freiberuflich oder „freiberuflich angestellt“ (dazu in meiner nächsten Podcast-Folge mehr, da ich diesen Status mehr als erprobt habe) Dann freue ich mich über die offenen und ehrlichen Worte von Francis Hüsers: Und dann warte ich. Bis dahin gibt es den täglichen Lagebericht.

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Neue Podcast Episode – Ist Digital das neue Kapital?

Auf neue Episoden könnt ihr euch ab 24.05.2020 freuen: Episode 4 – OPER & LEBEN | Digital ist das neue Kapital – Von (Un-)Möglichkeiten im Netz -> am 24.05.2020 Episode 5 – OPER & LEBEN TALK | Eva Meitner (Dirigentin) – Alles andere als nur ein bisschen Klassik TO GO -> am 25.05.2020 Episode 6 – OPER & LEBEN | Back to the Roots No. 2-> AM 14.06.2020 Zur Einstimmung hier meine Leseempfehlung für alle Digital-Newbies, die mehr über den Kunstmarkt im Netz wissen wollen:

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Mehr Kunst wagen – weniger zaudern & peitschen

Ganz ehrlich: Anstatt weiter nach Hygienekonzepten zu suchen und dafür so viel Energie und Zeit zu verschwenden, wäre es nun an der Zeit zukunftsweisende Musikkonzepte zu produzieren. Ich bin enttäuscht, dass die Konzertwelt sich einmal mehr in ihrem musealen Sumpf begibt. Ein abgespecktes Salzburg? Wie soll es denn anders aussehen, als ein billig eingekauften Thielemann, der froh ist dort ein wenig Beethoven á la carte zu servieren. Ich wiederum darf mich glücklich sprechen, dass unser Engagement bei forma Leipzig e.V. immer innovativ und kompromisslos ist. Für die Vorstandsetage war es gar kein Thema das 10-jährige Jubiläum im August mit irgendwelchen Hygieneeinschränkungen zu vollziehen. Es wäre einfach nicht dasselbe. Geplant ist nun April 2021 und das ist auch gut so!  Auch wollen wir Kontakt – viel Kontakt! – mit unserem Publikum. Der Kulturbetrieb im Kleinen (Mikromarkt) scheint mir immer deutlicher der richtige Weg für das Überleben guter Musik auf hohem Niveau zu sein. Für die nächsten Monate plane ich kammermusikalische Projekte, die auch im digitalen Format weiter erlebt werden sollen. Es muss wieder mehr, tiefer und eingängiger über Musik gesprochen werden. Einen Anfang habe ich mit meinem Youtube Kanal EN DIALOGUE gemacht. Die Krise hat mir eines deutlich gezeigt: Die ernste…

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Glücklicher Podcast Start

Ich bin so dankbar in der letzten Woche die Möglichkeit gehabt zu haben mit zwei wundervollen Musikerinnen – Cecilia (Cellistin) und Eva (Dirigentin) – über ihre Projekte zu sprechen. Dabei ist mir bewusst geworden, dass der vermeintliche Stillstand der Konzertwelt eine neue kreative Welle in Bewegung gesetzt hat. Wunderbar! Gerade jetzt scheint die Zeit reif, um die Bedeutung der Kammermusik in kleineren Kreisen wieder mehr herauszustellen. Ich finde es wundervoll, dass auch die Semperoper mit dem Format Semperoper Zuhause diese Chance genutzt hat. Ich hoffe sehr, dass diese Formate auch nach Corona erhalten bleiben. Hier mein persönliches Highlight aus dieser Reihe: Mit Cecilia habe ich mich über die in Vergessenheit geratene Hausmusikkultur ausgetauscht. Bei ihr in Wien gibt es tiefe Wurzeln einer gelebten Hausmusikkultur und sie hat mir erzählt, welch‘ große Chancen darin liegen hieran wieder anzuknüpfen. Auch hat sie betont, dass in solchen Konzertsituationen ein verantwortungsvolles Miteinander zu einem lebendigen Austausch über Musik erst möglich ist. Ich kann das nur bestätigen und werde mir vornehmen auch hier bei uns in Leipzig Hausmusik wieder aktuell zu machen. Mit verstaubter, förmlicher Soiree bei denen man anschließend soll das natürlich gar nichts zu tun haben – eher mit einer ungezwungenen, lockeren Begegnung…

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PRESSESCHAU – Episode 1 | Oper & Leben – Alles auf Anfang! Alles umsonst oder Kunst für Alle

„Künstler in der Krise – Zurück zum Bettlerstatus“ titelt die Sueddeutsche Zeitung am 02.05.2020 und verlangt, dass Künstler „aktiv zu bleiben und sich nicht durch ein kostenloses Überangebot selbst zu demontieren.“ -> zum Artikel hier Die NMZ schließt sich in der Monatsausgabe 05/2020 an und schreibt: „Das Signal dabei: Im Netz ist eben alles umsonst.“ -> zum Artikel hier In der Kolumne Schmoll-Ecke auf n.tv heißt es am 02.05.2020: „Geradezu lächerlich ist das, was vor allem die städtischen Theater machen, um ihre Daseinsberechtigung digital zu beweisen, ohne sich vor Augen zu führen, dass Opernbesucher durchschnittlich 85 Jahre alt und also Leute sind, die wie meine Mutter noch immer nicht den Unterschied zwischen Internet und Videotext kennen.“ -> zum Artikel hier Daneben berichtet die FAZ am 02.05.2020 in dem Artikel „Selbst ist der Künstler“ : „Fest steht aber schon jetzt, dass nur das Publikum Kunstschaffenden schenken kann, was sie über die nackten Existenzsicherung hinaus brauchen, was ihre Arbeit würdigt und ihr Wert zuspricht: Aufmerksamkeit und Applaus.“ -> zum Artikel hier Im Zeit Wissens Podcast vom 03.05.2020 wird der Resilienzfaktor der Musik betont: „Musik tröstet und trägt zum Allgemeinwohl bei.“ -> zum Podcast hier Der Komponist Helmut Lachemann macht in der Zeit-Serie…

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